Montag, 30. September 2013

[Die Story hinter dem Buch] Müller, Titus - Der Schneekristallforscher


heute:


Müller, Titus - Der Schneekristallforscher

 




Der Inhalt der Erzählung
Wilson Bentley sammelt Schneeflocken. Für ihn sind sie Wunder von atemberaubender Schönheit. Manche halten ihn deshalb für einen Spinner. Doch für Mina, die ihn und seine Arbeit mehr und mehr bewundert, wird er zu einem Reiseführer in eine andere Welt.

„Glückstrunken hielt er das Brettchen in den fallenden Schnee. Ein Schatzsucher, ein Entdecker und Weltenerkunder war er, er fühlte sich frei wie ein Vogel, dem Himmel mehr verwandt als der Erde.“

Die wahre Begebenheit, die dahinter steckt
Wilson Bentley war Bauer in Vermont, einem schneereichen US-Bundesstaat an der Grenze zu Kanada. Er hatte seine täglichen Pflichten: Kühe melken, Hühner füttern, Ahornsirup einkochen. Und er liebte alles, was klein war. Winzige Tiere, kleine Steine, Blätter. Schon als Junge zeichnete er Schneekristalle, die er durchs Mikroskop betrachtete. Er musste schnell sein beim Zeichnen und vieles aus dem Gedächtnis ergänzen, weil die Kristalle so schnell schmolzen.
Als er 17 war, im Jahr 1877, begann er, die Schneekristalle durch das Mikroskop hindurch zu fotografieren. Niemand vor ihm war auf diese Idee gekommen. Es entstanden zauberhafte Fotografien, die ihn berühmt machten. National Geographic druckte sie ab, Universitäten auf der ganzen Welt kauften Abzüge davon und verwendeten sie in den Vorlesungen. Nur in Jericho, Vermont, seinem Heimatdorf, hielten ihn die Leute weiterhin für verrückt, sein Vater und sein Bruder sahen das „Schneeflockensammeln“ als reine Zeitverschwendung, und als Wilson zu einem Lichtbildvortrag einlud (er war damals längst weltbekannt), erschienen gerade mal sechs Leute.
Er blieb seiner Forschersehnsucht treu. Und seinem Heimatdorf.

Die Liebesgeschichte
Als ich anfing, den Stoff zu recherchieren, war ich von Wilsons Liebe zu den dahinschmelzenden kleinen Schönheiten fasziniert. 1925 sagte er in einem Interview: „Unter dem Mikroskop entdeckte ich, dass Schneeflocken Wunder von atemberaubender Schönheit sind, und ich fand es schade, dass diese Schönheit nicht von anderen gesehen und geschätzt wurde. Jedes Kristall war ein Meisterwerk, und kein Gestaltungsentwurf wurde je wiederholt. Wenn eine Schneeflocke schmolz, war das Kunstwerk für immer verloren. So viel Schönheit war fort, ohne irgendeine Aufzeichnung darüber zu hinterlassen. Mehr und mehr erfasste der Wunsch von mir Besitz, den Leuten etwas von dieser wunderbaren Lieblichkeit zu zeigen, der Wunsch, auf gewisse Art ihr Bewahrer zu werden.“

Aber gab es in seinem Leben auch die Liebe zu einer Frau? Tatsächlich gab es sie. Er liebte eine Lehrerin namens Mina. Manche Zeitzeugen behaupten sogar, sie seien verlobt gewesen. Warum die Verlobung gelöst wurde und wie es sein kann, dass er Mina trotzdem laut Eintragung im Notizbuch am 7. Januar 1912 fotografierte, und zwei Wochen später erneut -- so etwas ist eine Aufgabe, die ich als Autor gern löse. Geholfen hat mir ein Eintrag vom 4. Februar 1915 aus Wilson Bentleys Notizbuch. Er schrieb die geheimnisvollen Worte hinein: „Eisblumen-Monogramm Mina“.

Die Reaktion des Verlags
Auf die Frankfurter Buchmesse 2012 nahm ich Wilsons Schneekristallfotos mit, und beim Mittagessen mit dem Programmleiter und meiner Lektorin zog ich sie heraus und fragte die beiden, was sie von einer Erzählung über Wilson Bentley halten würden. Stefan Wiesner und Nicole Schol waren sofort begeistert. Zwei Wochen später begann ich, die Erzählung aufzuschreiben.
Dass der Verlag das Buch so schön gestalten würde, konnte ich noch nicht wissen. Der blaue Samt mit Silberprägung vermittelt, dass ein Buch genauso ein Schatz sein kann wie ein Schneekristall. Über jedem Kapitel ist im Buch ein anderer Kristall abgebildet, keiner gleicht dem vorhergehenden. Der Verlag hat sie extra zeichnen lassen unter Zuhilfenahme von Wilsons Fotos.


Hürden beim Schreiben
Schwierig war es, Details über den kleinen Ort Jericho herauszufinden, vor allem darüber, wie er im 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Auch für Wilsons Zugreise nach New York musste ich vieles wissen: Welche Züge fuhren damals, wie lange brauchte man bis New York, und was kostete eine Zugfahrt? Wie sah die Stadt New York damals aus, wie roch es, was konnte man sehen und erleben? Bei diesen Fragen hat mir Barbara Ellermeier weitergeholfen, die ein wahres Recherchegenie ist. Sie fand sogar heraus, wie viele Kühe Wilson Bentley im Stall hatte. Sie hat etliche Leute in den USA gewonnen, die uns Informationen herausgesucht und geschickt haben, von der University of Vermont und verschiedenen Historical Societies bis hin zur Library of Congress.

Hat mich das Aufschreiben der Geschichte verändert?
Ich mag kleine Tiere, und ich staune gern. Aber in der Hektik des Alltags verliere ich oft den Blick für die Wunder, die es zu bestaunen gibt. Wilson Bentleys Geschichte hat mir geholfen, sie wieder neu zu sehen. Immer wenn es schneit, werde ich an ihn denken und an seinen wohltuenden Blick auf die Welt.

Wo gibt es mehr?
Unter www.winter-kristalle.de kann man seinen Namen und den Geburtsort eingeben, und der Computer generiert daraus einen einzigartigen Schneekristall. Für alle, die in die Geschichte vom Schneekristallforscher hineinlesen wollen, gibt es eine Leseprobe als PDF herunterzuladen.

geschrieben von Titus Müller


  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Adeo; Auflage: 1., Aufl. (30. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3942208075
  • ISBN-13: 978-3942208079




Als ich auf den Roman aufmerksam geworden bin, habe ich ihn sofort auf meine Wunschliste gesetzt. Was haltet ihr von der Idee des Schneekristallforschers?

Heute Nachmittag werde ich euch übrigens noch meine Rezension zu diesem Buch hochladen.



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