Freitag, 20. September 2013

[Rezension] Nickerson, Jane - So wie Kupfer und Gold

Als 1855 Sophias Vater in Boston verstirbt, steht es finanziell nicht gut um ihre Familie. Deshalb zieht sie zu ihrem Patenonkel Bernard de Cressac und lässt sich leicht von seinem Reichtum und seiner prächtigen Plantage "Wyndriven Abbey" in den Südstaaten beeindrucken. Nach kurzer Zeit blickt Sophie jedoch hinter seine freundliche Fassade, entdeckt u.a. seinen Jähzorn und findet heraus, dass er sie scheinbar nicht nur als Patenonkel mag, sondern generell sehr anziehend findet. Genau wie seine zahlreichen vorherigen Ehefrauen, von denen jedoch keine lange auf  "Wyndriven Abbey" geblieben ist. 

Von diesem Roman, dessen Cover ich einfach wunderschön und passend zur Story finde, hatte ich mir ein paar tolle Lesestunden erhofft. Diese Mischung aus Jugendroman, einem historischen Setting in den amerikanischen Südstaaten und die Beziehung zwischen Sophia und ihrem Patenonkel versprachen eine Menge Potential. Durch das Vorwort der Autorin bin ich darauf aufmerksam geworden, dass es sich um eine Märchenadaption zu "Blaubart" handelt. Da ich mit diesem Märchen jedoch nicht sehr vertraut bin, kann ich nur bestätigen, dass die Haupthandlung aufgegriffen wurde. Auf kleinere Details kann ich entsprechend nicht eingehen.

Ich hatte mit dieser Geschichte leider etliche Probleme. Die Handlung kommt nur langsam in Fahrt und dieses wird besonders dadurch betont, dass die Autorin sehr detailliert schreibt. Aufgrund dessen konnte ich mir das Leben auf der Plantage zwar sehr gut vorstellen, aber es ist Jane Nickerson dabei nicht gelungen eine schöne "Südstaaten-Atmosphäre" aufzubauen. Die Figuren sind sehr stereotypisch, Sophia recht naiv, auch wenn sie sich im Laufe des Romans weiterentwickelt, und Bernard de Cressac erscheint die meiste Zeit als arroganter Lüstling. Das einzige, was gefühlsmäßig sehr intensiv beschrieben wurde, ist das ständige Bedrängen des Onkels Sophia gegenüber. Das wird dermaßen authentisch beschrieben, dass ich mich beim Lesen schon beinahe belästigt gefühlt habe und Sophias Ekel sehr gut nachempfinden konnte. Das war leider das einzige Gefühl, welches sich beim Lesen in mir entwickelt hat, und es was kein Schönes.

Die Handlung war ziemlich vorhersehbar, eine kleine, wahre Liebesgeschichte wurde kurz mit eingebaut, aber das meiste konnte mich einfach nicht überzeugen, was ich sehr schade finde, denn an sich hatte die Story Potential. Neben dem tollen Cover bleibt sonst nur der flüssige Schreibstil als positiven Eindruck zu nennen. Das Buch lässt sich gut lesen und die Sprache wurde teilweise der damaligen Zeit angepasst, so dass man das 19. Jahrhundert hin und wieder anhand der Sprache erkannt hat, aber es für Leser, die mit dem historischen Genre nicht sehr vertraut sind, kein Hindernis beim Lesen war.


Fazit:  Leider ein Roman, der meine Erwartungen nicht erfüllt und sein Potential verschenkt hat. Mich hat vor allem dieser lüsterne Patenonkel verschreckt, auch wenn das der Zeit in vielen Fällen evtl. angemessen war, empfand ich das sehr negativ. Aber auch die anderen Charaktere wirkten blass und das erwünschte Feeling stellte sich nicht ein. Daher gab es leider nur 2,5-3 Sterne für dieses Buch.



  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: cbt (23. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570162680
  • ISBN-13: 978-3570162682
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren
  • Originaltitel: Strands of Bronze & Gold
  • Verlag:



Kommentare:

  1. Huhu Claudia,
    schade, dass du mit dem Buch nicht so richtig warm geworden bist. Ich finde es klingt super interessant. Steht jedenfalls auf meiner Wunschliste und ich werde es bestimmt eines Tages in Angriff nehmen. Vorerst wartet aber Simone Elkeles auf mich ;) Bin mittlerweile im letzten Drittel des zweites Teis und freu mich schon auf den Dritten. Danke nochmal :)
    Alles Liebe und ein schönes Wochenende,
    Jasmin

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  2. Also so ganz kann ich deine Meinung nicht nachvollziehen. Das Märchen "Blaubart" zu kennen, hätte dir vielleicht tatsächlich einen enormen Vorteil verschafft ;)
    Mich hat der Roman sehr gefesselt, und ich wollte ihn bis zum Schluss gar nicht mehr beiseite legen.
    Du hast Recht, dass das Südstaatenflair nicht so richtig rüber kam. Ich hatte permanent sowas wie "Vom Winde verweht" vor Augen, aber da Sophia nun nicht viel vor die Tür geht, konnte sie auch nicht viel sehen.

    Ich denke, die Geschichte sollte auch nicht "schön" sein, sondern das gruselige Märchen "Blaubart" eben aufgreifen. Die Geschichte ist auch wirklich nicht toll - da hat die Autorin hier echt schon viel Charme reingebracht...

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  3. Oh wie schade, ich fand auch dass das Buch echt toll klingt! Aber wie immer gibts da ja auch wieder sehr auseinander gehende Meinungen, deswegen lass ichs erstmal auf meiner WL :)
    Ganz liebe Grüße, Lauri :)
    taste-of-books.blogspot.de

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  4. Da fande ich schlimmer als den lüsternen Patenonkel, wie damals mit den Sklaven umgesprungen wurde. So negativ konnte ich das Buch nicht bewerten, denn die Autorin hat ganz nebenbei den Lesern viel Wissen vermittelt.

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