Samstag, 19. Oktober 2013

[Die Story hinter dem Buch] Bomann, Corina - Eine wundersame Weihnachtsreise



heute:


Bomann, Corina - Eine wundersame Weihnachtsreise
 


 

Last Christmas oder: Wie aus einem ständigen Begleiter eine Buchidee wurde.

Jeder kennt das. Zur Weihnachtszeit mutieren die Radiostationen zu einer zuckersüßen Klangfabrik, die Songs schon mal mit Glöckchengebimmel verunstaltet und sehr tief in die Kiste der Weihnachtshits greift. „Heal the world“, schallt es aus den Lautsprechern oder „I‘m dreaming of a white christmas“ (der Alptraum aller, die an Weihnachten unterwegs sein müssen). Oder eben „Last christmas I gave you my heart“.

Vor zwei Jahren war ich sehr viel zwischen Mecklenburg und Berlin unterwegs, auch kurz vor Weihnachten, und auf den Autobahnen machte einem nicht nur der mangelhafte Winterdienst zu schaffen, auch das Radioprogramm wurde zu einer echten Herausforderung. „Last christmas“ auf allen Kanälen. Ungelogen, schaltete man auf einen anderen Sender, ging es dort ebenfalls mit Wham los.

Nun bin ich kein Weihnachtshasser wie Anna, doch ich betrachte das Fest der Liebe mit einer gesunden Distanz. Einerseits liebe ich die Kerzen, die Düfte und auch schöne Weihnachtsmusik, andererseits sehe ich aber auch, wie lieblos sich die Menschen besonders in der Zeit verhalten, wie sehr alles auf Konsum getrimmt wird und schlimm sich der Weihnachtskitsch manchmal auswächst.

Mein ideales Weihnachtsfest ist sehr leise, begleitet von vielen Gedanken und Stunden, die man mit seinen Lieben verbringt, hemmungslos auf der Couch lümmelt oder manchmal nur nachdenklich ins Kerzenlicht blickt und noch einmal an die schönen oder auch weniger schönen Momente im Leben blickt.

Auch da unterscheide ich mich von meiner Heldin - doch kommen wir auf George Michael zurück. Da fuhr ich nun eines Tages durch den Schnee, kaum etwas ging noch, meine Scheibenwischanlage war dabei, den Geist aufzugeben und dann wirklich ungelogen sieben Mal „Last christmas“ während einer dreistündigen Zeitspanne. Ich sang schon spöttisch und sehr falsch mit, und da fragte ich mich plötzlich, wie würde diese Musik auf Weihnachtshasser wirken. Oder auf Menschen, die an Weihnachten unterwegs sind. Oder arbeiten müssen.

Nun, direkt eine Buchidee wurde daraus nicht, aber der Gedanke blieb mir im Hinterkopf.

Als meine Lektorin von Ullstein dann mit der Frage kam: „Würden Sie für uns einen Weihnachtsroman schreiben?“, war plötzlich alles klar. Vor mir erschien Anna, die vorher noch Nele heißen sollte, ein Mädchen, das ein Ereignis aus der Kindheit nicht verdaut hatte und schleichend zum „Grinch“ geworden war. Ich wollte sie, die an Weihnachten immer ins Warme flüchtet, auf die Probe stellen. Nicht nur ließ ich ihren kleinen Bruder eine Mail schicken, die sie nicht ablehnen konnte, gemeinerweise brachte ich sie dazu, im Zug nach Hause einzuschlafen.

Chris Rea mit seiner rauchigen Stimme war mir plötzlich im Ohr „Driving home for christmas“. Tja, auch Anna muss nun versuchen, nach Hause zu kommen. Und da habe ich aus meinem Erfahrungsschatz so einige Sachen auf Lager. Verschneiter Rügendamm, katastrophale Straßen und Begegnungen mit surrealen Gestalten. Und wunderbaren Menschen, die an Weihnachten die Welt am Laufen halten.

Wie kommt man auf solche Personen? Zum Beispiel frage ich mich bei jedem Kaffeefahrtsbus, den ich sehe, ob die Veranstalter nicht schon mal jemanden vergessen haben. Wenn ich bei einer langen Fahrt einen LKW-Fahrer aus Polen sehe, frage ich mich, wie erlebt er Weihnachten, während er für uns Joghurt für die Supermärkte liefern muss. Ich habe auch schon mal verfrorene Zöllner und Polizisten gesehen, die an Weihnachten noch zu einer Kontrolle raus mussten - nicht, weil ihr Boss sie ärgern will, sondern weil es der Sicherheit und Ordnung auf der Autobahn dient. Und ich kenne auch Leute, die sehr unkonventionell leben, aber dennoch nach Hause fahren, wenn es Weihnachten wird.

All diese Menschen habe ich mitgenommen an meinen Schreibtisch, zu Anna, der ich zeigen wollte, dass Weihnachten nicht nur nervtötendes Gedudel und Hektik ist, sondern manchmal auch ungewöhnliche Geschichten und Erlebnisse bietet.

Entstanden ist die Geschichte allerdings nicht zu Weihnachten sondern dieses Jahr zwischen Januar und März. Ihr erinnert euch? Der lange Winter, der gar nicht von uns ablassen wollte. Ich gebe zu, ich habe Schuld daran. Der Schnee blieb da, um mir als Inspiration zu dienen. Meine Lektorin drängte mich schon scherzhaft, fertig zu werden, damit es endlich Frühling werden konnte. Lustigerweise schmolz der Schnee, als ich abgegeben hatte. Sachen gibts, dachte ich mir, und nahm mir vor, sollte ich wieder eine Weihnachtsgeschichte schreiben, schreibe ich sie über Weihnachten - für die Schneegarantie.

Und „Last christmas“? Wahrscheinlich werde ich, wenn ich es zum ersten Mal höre, wieder dieses vorfreudige Weihnachtskribbeln verspüren - dann im Laufe der Tage völlig entnervt abschalten und am letzten Weihnachtsfeiertag froh sein, dass die Radiosender wieder etwas anderes spielen. Bis zum nächsten Weihnachtsfest.

geschrieben von Corina Bomann



  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Marion von Schröder (11. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3547711916
  • ISBN-13: 978-3547711912




Ist das Buch ein Tipp für eure Weihnachtswunschliste bzw. eure Adventsliteratur? Ich werde es auf jeden Fall lesen und euch dann berichten, wie es mir gefallen hat.




1 Kommentar:

  1. Ds war eine schöne Hintergrundstory! Da das Buch schon auf meinem Sub zu Hause liegt um rezensiert zu werden, freue ich mich schon richtig drauf. Auch wenn erst Oktober ist bin ich irgendwie schon in Weihnachtsstimmung.

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