Mittwoch, 16. Oktober 2013

[Rezension] Shustermann, Neal - Unwind (01) Vollendet

Um den Krieg in den USA in einer nicht allzu fernen Zukunft zu beenden, würde die "Charta des Lebens" verabschiedet. Diese besagt, dass das menschliche Leben von der Zeugung bis zum dreizehnten Lebensjahr unantastbar ist. Im Alter von dreizehn bis achtzehn Jahren können diese Jugendlichen jedoch rückwirkend abgetrieben werden. Dabei werden sie nicht umgebracht, sondern als "Wandler" recycelt. Ihre Körperteile werden also wie Einzelteile bei einem Fahrzeug an viele verschiedene Menschen weitergegeben. Die Gründe für diese Umwandlung sind zahlreich.


Es trifft zum Beispiel rebellische Jugendliche wie den 16-jährigen Connor, der ständig Ärger mit seiner Familie hat und sich in der Schule prügelt. Genauso kann es aber angepasste Jugendliche treffen wie Risa, die sich eigentlich gut macht, aber Sparmaßnahmen eines Waisenhauses zum Opfer fällt, da sie nicht so viel Potential zu haben scheint, wie andere Waisen. Auch Lev trifft es. Er ist das zehnte Kind seiner Eltern und somit war von seiner Geburt an klar, dass er mit dem 13. Geburtstag als Zehntopfer zur Umwandlung gebracht werden wird. So erwartet es die Religion seiner Familie. 

"Vollendet" ist der erste Band der "Unwind"-Reihe des amerikanisches Autors Neal Shusterman. Mit dieser Dystopie konnte mich der Autor sofort in seinen Bann ziehen. Die Protagonisten Connor, Risa und Lev werden in den ersten drei Kapiteln eingeführt und auch wenn sich deren Wege sehr schnell kreuzen, bleiben alle drei Figuren unabhängig von einander interessant und Shusterman berichtet hauptsächlich abwechselnd aus allen drei Perspektiven. Ab und an greift er jedoch auch auf die Sicht von Nebenfiguren zurück, um das Gesamtbild abzurunden und dem Leser einen besseren Einblick in die Lebenssituation der Menschen zu geben. Es ist mir sehr leicht gefallen in diese Geschichte einzutauchen und ich war sofort von der Grundidee gefesselt. Sie ist als fiktive Romanidee unglaublich interessant und spannend. Trotzdem schwebt die ganze Zeit der Gedanke im Hintergrund, dass die Story gar nicht so abwegig ist, wenn man an die Zukunft denkt, und dann wirkt die Handlung einfach nur erschreckend. Ich konnte mich diesem Bann, dieser Faszination jedenfalls nicht entziehen und dank des rasanten Buches ging eine mehrstündige Bahnfahrt sehr schnell vorbei.

Der einfache, aber nicht niveaulose Schreibstil hat mir sehr gefallen. Shusterman ist es bestens gelungen mir Umgebungen und Personen bildlich zu beschreiben, ohne dass er sich dabei in zu ausführlichem Geplänkel verliert. Genauso erging es mir mit den Protagonisten. Alle drei sind unterschiedlich, auch wenn sie Gemeinsamkeiten teilen, und wirken für ihre jeweilige Lebenserfahrung authentisch. Begeistert hat mich auch, dass Shusterman sich nicht nur auf die geniale Idee des Umwandelns verlassen hat, sondern seiner fiktiven Zukunftswelt noch weitere Facetten verliehen hat, wie z.B. das Storchen. Außerdem fand ich die letzten Anmerkungen sehr interessant, auf denen man erfährt, dass einiges aus seinem Roman gar keine Zukunftsmusik ist, sondern auf Tatsachen basiert. Ich habe mich die ganzen 432 Seiten mehr als unterhalten gefühlt und freue mich nun schon auf die Fortsetzung "Der Aufstand", die bereits erschienen ist.

Fazit: "Vollendet" ist wie ein unglaubliches Buch. Es überzeugt mit tollen Charakteren und einer Geschichte, die fesselt und schockiert, aber auf alle Fälle zu unterhalten weiß. Daher gibt es eine absolute Leseempfehlung an Dystopiefans, die nichts dagegen haben, wenn die Story nicht weichgespült ist und die ihr Kopfkino durch Bücher anregen lassen.


  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Bibliographisches Institut, Mannheim; Auflage: 1 (1. August 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3411809929
  • ASIN: 3411809922
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Verlag:




Kommentare:

  1. Ich fand das Buch auch klasse und hab kürzlich schon die Fortsetzung gelesen, die ist auch super.

    LG Michaela

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Claudia,

    ja das war eines meiner persönlichen Highlights im Bereich Dystopie. Erntefabrik mehr muss ich nicht sagen und schon ging bei mir das Kopfkino an...

    LG..Karin..

    AntwortenLöschen