Sonntag, 14. Dezember 2014

[Gastrezension] Florin, Elisabeth - Commissario Pavarotti küsst im Schlaf



Vielleicht hat sich Elisabeth Florin einfach zuviel vorgenommen, als sie „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ schrieb. Der Kriminalroman ist der zweite in einer Reihe um den Kommissar Pavarotti und seine sehr ungleiche Freundin und „freie“ Mitarbeiterin Lissie. Dabei muss man den ersten Teil der Reihe durchaus nicht kennen, um die Handlung zu verstehen.



Zum Inhalt: In einer psychiatrischen Anstalt wird ein Mann mit einem gewöhnlichen Küchenmesser erstochen. Zuerst ist unklar, ob dies nur die Tat eines der kranken – irren oder nur weg gesperrten – Mitpatienten in der Klinik war oder doch eine komplexere Tat. Commissario Pavarotti, der mit dem Fall betraut ist, lockt seine Freundin Lissie mit unlauteren Methoden nach Meran, und die gemeinsame Aufklärung des Falles kann beginnen….Die Ermittlungen, in deren Rahmen der Ermordete nicht der einzige Tote bleibt, führen auf ein Kreuzfahrtschiff, in die Sprechstunde des mysteriösen Sigmund Frahm, natürlich immer wieder in die psyhiatrische Klinik und ganz weit in die Vergangenheit…

Meine Meinung: Die Handlung entwickelt sich rund um das ungleiche Ermittlerpaar einer attraktiven jüngeren Frau, Lissie, die schon etwas Zuneigung zum Commissario verspürt, und den meines Erachtens überhaupt nicht liebenswerten Commissario Pavarotti, der eigentlich nur schlechte Charakterzüge trägt. Falls diese nur wie kleine Marotten scheinen sollen, die ihn liebenswerter oder auch nur menschlicher machen, so ist dies bei mir nicht angekommen, denn ich denke, für einen erwachsenen Mann seines Alters müsste er sich oft anders, im Beruf auch professioneller, verhalten. Man muss z.B. auch mal mit einem Mitarbeiter auskommen, den man nicht mag. Außerdem lockt er Lissie nach Meran, besorgt ihr zwar eine Unterkunft, sagt ihr aber auch, sie könne froh sein, dort kostenlos wohnen zu können. Nun ja, wenn ich mir Hilfe hole, sollte ich diese vielleicht eher wie einen Gast behandeln, zumal der Commissario ja auch etwas für die Freundin empfindet.

Der Commissario kümmert sich eigentlich auch noch um Justus, einen 14jährigen, der wohl in einer richtigen Familie besser aufgehoben wäre, ein Vorbild ist Pavarotti hier aber auch nicht. Der Junge macht so ziemlich genau das, was er möchte, obwohl deutlich wird, dass er mehr Halt gebrauchen könnte. Oft weiß der Commissario auch gar nicht genau, wo der Junge sich so herumtreibt. In Lissie findet Justus dann eher, was er sucht, noch mehr aber in Spock, dem Hund, den Lissie mitgebracht hat.

Die Kriminalhandlung wird vor allem verschleiert dadurch, dass eine Schlüsselfigur, über deren Vergangenheit berichtet wird, nicht beim richtigen Namen genannt wird. Hier darf der Leser miträtseln, wer dieser „Dorian“ wirklich ist. Auch die Protokolle der Sitzungen bei Dr. Frahm, die eine erst unbekannte Person dort hat, sind erst nichtssagend und verwirrend. Da sie hinten noch einmal aufgelistet sind, ist dem Leser gleich klar, dass es sich um Schlüsselszenen handeln muss.

Die Anzahl der Personen ist meines Erachtens sehr groß und teils verwirrend. Warum dann die letzte Leiche, ein mir bis relativ am Schluss Unbekannter (vielleicht habe ich auch etwas überlesen), noch gefunden werden musste, ist mir unklar. Außerdem gibt es Szenen, die ich erst als wichtig eingestuft hatte, wo ich es dann aber fraglich fand, warum diese sein mussten. (Beispiel: Lissie weint wegen ihrer früheren Freundin Angie. Diese hat aber nichts mit dem Fall zu tun. Ich meinte aber erst, es gäbe Verbindungen).

Weiterhin versucht das Buch, einige historische Ereignisse einzuflechten, von den Optanten über den Terrorismus der PLF, die Demokratisierung der Psychatrie und die Katakombenschulen, wo man heimlich die deutsche Sprache erlernen konnte, als dies eigentlich verboten war. Wenn ich auch hier einiges erfahren und gelernt hatte, was ich auch durchaus interessant fand, so hat mir doch ein Zusammenhang oft gefehlt. Zuviele verschiedene Themen wurden hier eingeflochten.

Als Fazit kann ich sagen, dass sich „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ sehr gut lesen lässt, wenn auch vieles für mich verwirrend, anderes unwichtig war. Ich denke, die Autorin verliert sich in verschiedenen Fakten und Handlungssträngen, weil sie einfach zuviel in einen Roman packen wollte. Es gibt noch viele weitere Nebenhandlungen, die ich gar nicht angesprochen habe. So kann ich die Sternvergabe der anderen Rezensenten hier leider nicht teilen und vergebe 3 Sterne mit Tendenz zu 3,5. Ein Tipp noch für alle Leser dieses Kriminalromans: Unbedingt dranbleiben und dieses Buch nicht länger aus der Hand legen, um den Faden nicht zu verlieren!


  • Broschiert: 432 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag (7. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3954514397
  • ISBN-13: 978-3954514397


1 Kommentar:

  1. Danke für den ausführlichen Kommentar. Aber ist ein mittelmäßiges Buch diese Mühe überhaupt wert? Ich finde, was in diesem Genre nicht auf höchstens 300 Seiten erzählt werden kann, ist anödendes Füllmaterial. Und ich halte mich auch selber daran. :-)

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