Sonntag, 13. Mai 2018

[Die Story hinter dem Buch] Ulrike Schweikert - Die Charité: Hoffnung und Schicksal

[Werbung] Da ich Buch-Cover mit einer Verlinkung zu Amazon einbaue (Affiliate-Link) und aus Überzeugung gerne Verlage, Autoren etc. verlinke, kennzeichne ich diesen Beitrag als Werbung. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass ich für diesen Beitrag nicht bezahlt wurde und ihn aus freien Stücken veröffentliche.


heute:


Ulrike Schweikert - Die Charité: Hoffnung und Schicksal

 


Warum schreiben Sie einen Roman über die Charité, der in der Zeit zwischen 1830 und 1850 spielt?
Ich habe mich schon immer für Medizin interessiert und da bietet sich die Charité besonders an mit ihrer dreihundertjährigen Geschichte vom Pesthaus vor den Toren der Stadt Berlin Anfang des 18. Jahrhunderts hin bis zum modernen Universitätskrankenhaus mit seiner umfangreichen Forschung heute. 

Die Zeit, in der die Geschichte spielt, hat mich gleich fasziniert. War Anfang des 19. Jahrhunderts noch die Viersäftelehre des Galen unwidersprochen, so hielt in der inneren Medizin in der Charité unter Dr. Professor Schönlein ein wissenschaftlicher Ansatz Einzug. Es wurde nicht mehr einfach nur zur Ader gelassen oder Abführmittel verabreicht. Der Patient wurde abgeklopft und abgehört. Der Blick auf den Menschen wurde wissenschaftlicher, um Diagnosen zu erstellen und entsprechende Therapien zu entwickeln. Anatomie aber auch das Tierexperiment rückten in den Blickpunkt der Mediziner. Johann Friedrich Dieffenbach hat Tierexperimente zur Transplantation durchgeführt, deren Ergebnisse ihm bei seinen Operationen an Menschen später nützlich waren. Der Pathologe Rudolf Virchow erstellte genaue Anweisungen, wie eine Sektion abzulaufen hat, so dass die Ergebnisse vergleichbar wurden. Aber auch in der Krankenpflege tat sich in diesen Jahren viel. Gab es zuvor nur ungelernte Wärter, die die Kranken verwahrten, so hielt mit den ersten Diakonissen echte Pflege in der Charité Einzug. Dr. Dieffenbach gründete eine Krankenpflegeschule. 

Dennoch darf man nicht vergessen, dass die Erreger der Krankheiten noch nicht entdeckt waren und auch über den Weg der Übertragung heftig gestritten wurde. Hygiene war unbekannt und man stand Wundbrand und Kindbettfieber hilflos gegenüber. Operationen wurden ohne Betäubung ausgeführt. Ein guter Chirurg war vor allem schnell. Erst 1847 wurde die betäubende Wirkung von Äther erkannt und zum ersten Mal bei Operationen angewandt. 


Die Geschichte ist zwar ein Roman, aber Sie legen immer auch Wert auf historische Personen und Details. Wie haben Sie recherchiert?
Am Anfang stehen neben der Internetrecherche viele Bücher. Es gibt Werke über die Geschichte der Charité von Johanna Bleker, Ernst Peter Fischer oder Gerhard Jaeckel. Neben einer Biografie über Dieffenbach habe ich auch sein eigenes Werk „Operative Chirurgie“, das interessante Einblicke gibt oder Sektionsberichte von Virchow. Außer der Medizin ist mir die Sozialgeschichte Berlins wichtig. Mit der Choleraepidemie 1831 trifft sie mit der Geschichte der Medizin und der Charité zusammen.
Nachdem ich Fakten und Anekdoten gesammelt habe, ist das zweite wichtige Standbein die Recherche vor Ort und Gespräche mit den Personen, die sich mit diesem Thema wirklich auskennen. Also bin ich nach Berlin geflogen. 


Erzählen Sie von Ihrer Reise nach Berlin.
Es gibt vor allem zwei Menschen, die eng mit der Geschichte der Charité verbunden sind: Professor Dr. Heinz Peter Schmiedebach, der über die Charité als historischer Ort forscht, und Professor Dr. Thomas Schnalke, der Direktor des Medizinhistorischen Museums der Charité, das aus der Sammlung Rudolf Virchows hervorgegangen ist. 

Es regnete in Strömen, als ich im Sommer Professor Dr. Schmiedebach vor der Psychiatrischen Klinik der Charité traf. Es ist einer der roten Backsteinbauten, der zu dem Ensemble der Kliniken gehört, die um 1900 die beiden Gebäude der alten und der neuen Charité ablösten. Er führte mich über das Gelände und erzählte von den berühmten Ärzten, ihren Forschungen und ihren Patienten, von Entdeckungen und neue Erkenntnisse dieser Zeit. Ich durfte einen alten Hörsaal besichtigen, der Jahrzehnte lang nicht zugänglich war. Doch auch die Stunden in der Sammlung Virchows und anderen Räumen des Museums boten mir neue Einblicke und rundeten das Bild über die Charité, die Menschen und die Medizin dieser Zeit ab. Es stehen auch noch Teile des alten Sektionssaals, in dem Virchow seine Vorlesungen hielt. Für weitere Fragen sind die beiden Professoren jeder Zeit offen und mir so beim Fortgang meiner Geschichte eine große Hilfe.


Eine Hebamme, die Tote seziert, ein Arzt, der Nasen erneuert und Sehnen durchschneidet, ein Gräfin, eine Diakonisse und ein angehender junger Arzt der Militärakademie? Warum haben Sie diese Hauptfiguren gewählt, um durch Ihre Geschichte zu führen? 

Die Charité ist nicht nur ein Krankenhaus. Sie war eine kleine Stadt am Rande Berlins mit einer eigenen Gesellschaft, Hierarchien, Kompetenzstreitigkeiten aber auch Freundschaften und Beziehungen, die die Zusammenarbeit schuf. Daneben das Berlin seiner Zeit, in dem die Adeligen und reichen Bürger sich in ihren eigenen Häusern weit weg von Wundbrand und Seuchen von ihren Ärzten behandeln ließen. 

Ich wollte dem Geflecht dieser Gesellschaft mit all diesen verschiedenen Menschen gerecht werden, die sich im Laufe der Geschichte immer wieder treffen, zusammen arbeiten, sich verlieben, streiten aber auch ein gemeinsames Ziel verfolgen zum Wohl der Patienten.

geschrieben von 
Ulrike Schweikert


  • Broschiert: 448 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (26. Juni 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499274515
  • ISBN-13: 978-3499274510


Liebe Grüße,
Claudia

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